Eine kleine Geschichte vom Bilderklau - mit kuriosem Ende

Es fing damit an, dass ein Freund mir im Juni 2014 eine Ausgabe des "Brexposé" zeigte, des Vereinsmagazins der Brexbachtalbahn (oder auch nicht, aber dazu gleich). Darin befand sich ein einseitiger Artikel über des RSE-Museum Asbach. Der Text stammte unverkennbar von der Museumswebsite, das Hintergrundbild ebenfalls. Oben waren etwas kleiner zwei Fotos von mir abgedruckt.
(Auf meiner Seite zu finden unter Galerien->2013->August->"Sommerfest im RSE-Museum Asbach". Es handelt sich um das erste und das letzte Foto des Berichts.)
Der Schriftzug "Bild: Christian Zell", den ich in jedes Bild fürs Internet setze, war noch lesbar, wenn auch durch Bildbeschnitt teilweise entfernt. Das Bild musste also entweder von meiner Website oder aus dem Mittelrheinforum stammen. Da das RSE-Museum die Fotos schon vor einiger Zeit von mir bekommen hatte (aufgenommen am Sommerfest 2013, übersendet kurz danach), fragte ich dort nach. So eine Tauschaktion "unter Vereinen" ist zwar nicht schlimm, aber ich hätte es doch gerne gewusst. Leider wusste man dort nichts davon, natürlich hätte man mich vorher gefragt. Dadurch kam ich auch in Kontakt mit dem Fotograf des dritten Bildes von der Seite.

Abgesprochen, aber weitgehend unabhängig voneinander, sendeten wir jeder dem Verein ein Schreiben zu, mit der Bitte um Klärung und dem Angebot, nachträglich ein Bildhonorar zu zahlen, um eine Unterlassungsklage zu vermeiden. Das klingt zwar hart, sollte aber durchaus eine Provokation sein. Schaden wollten wir dem Verein natürlich nicht, wir hatten eher auf eine Entschuldigung und ein Entgegenkommen gehofft. Ich erwähnte außerdem, dass mein Name im Bild lesbar ist, die Urheberschaft also recht eindeutig.

Etwas später kam dann Post. Aber nicht vom Verein, sondern von einem Herrn K., an den mein Brief offenbar weitergeleitet wurde. Er zeichnete sich für das "Brexposé" verantwortlich, Zitat:
"Der Verein hat weder inhaltlich noch rechtlich etwas mit dem Magazin zu tun."
Das Heft diene lediglich zur Akquise von Anzeigeneinnahmen. Gut zu wissen.
Interessant wurde es weiter unten:
"Ob Sie wirklich der Urheber sind, ist nicht bewiesen, zumal eine der von Ihnen genannten Abbildungen aus einer Sammlung von Dias stammt, die wir bei einem Eisenbahnfest im Konvolut gekauft haben."
Oha, mein Foto als Dia? Mit meinem Namensaufdruck? Irgendwo verkauft?
Der Kracher kam danach:
"Das Bild vom Bahnhof Asbach habe ich im übrigen bei einem Besuch vor Ort selber gemacht."
Das war dann nur noch frech, eine dreiste Lüge. Da der Verein ja sowieso aus der Sache herausgesprochen wurde, hatte ich nach diesem Hammer keine Bedenken mehr, das Honorar in voller Höhe und direkt vom Bilderdieb einzufordern.

Ein letztes privates Schreiben von meiner Seite mit einem erneuten Hinweis auf den lesbaren Namen wurde ebenso beantwortet, mit Lügen und nun sogar Beleidigungen. Kein Eingehen auf das Offensichtliche. Plötzlich wurde mir auch vorgeworfen, dem Verein zu schaden. Nanu? Das hatte ich doch gar nicht vor und ich wollte auch nicht, so der Vorwurf, überzogenes Kapital aus der Sache schlagen. Mir ging es nur um die Lüge, die jetzt mit Beleidigungen gesalzen wurde. Offenbar wurde auch gezielt versucht, mich zu verwirren: Plötzlich sollte angeblich eine weitere Person Ansprüche für das gleiche Bild geltend machen (in der Tat für das dritte Bild der Seite, aber nicht für meine) und mir wurde erklärt, dass mit dem Setzen eines Bildes ins Internet dieses für Ehrenamtliche frei benutzbar sei. Eine weitere Aussage war, dass vermutlich mehrere Personen das Motiv aufgenommen hatten und es sich nicht zuordnen ließe. Interessant auch überhaupt erst die Notwendigkeit solcher Behauptungen, denn angeblich war ich ja sowieso nicht der Urheber - Widersprüche hoch drei.

Das war mir nun (hoffentlich nachvollziehbar) zu viel und ich fragte einen Anwalt nach seiner Einschätzung. Zuerst hieß es, der Streitwert sei vermutlich zu gering, aber angesichts der Briefe und meiner sehr einfach zu beweisenden Urheberschaft haben wir entschieden, es dennoch zu probieren.
Parallel dazu hörte ich mich etwas um und fand schnell weitere interessante Meinungen. Offenbar ist dieser Diebstahl mit folgendem absurden Herausreden und Beleidigen kein Einzelfall gewesen, sondern seit Jahren so Praxis. Es wurde wohl von mehreren Foren und privaten Seiten kopiert, u. a. dem DSO-HiFo. Auch auf der Website des Vereins (anscheinend ebenfalls von dem Herrn verwaltet) fanden sich bis vor kurzem fremde Fotos, die ohne Nachfrage anderen Seiten entnommen wurden. Da es wohl nie so eindeutig war wie in meinem Fall (dank des lesbaren Namensaufdrucks), hatte die Taktik des Ablenkens und der Lügen scheinbar bisher immer Erfolg.

Zu der geforderten Summe (weiterhin nur ein Honorar mit rückwirkender Druckerlaubnis!) kamen nun noch die Kosten meines Anwalts - und auch die Kosten seines Anwalts, der plötzlich schrieb. Im ersten Brief wurden die Lügen wiederholt, im zweiten wurde mir auf einmal vorgeworfen, zur "Abmahnindustrie" zu gehören und die Fotos absichtlich im Netz platziert zu haben. Rätselhaft: Fotos aus dem Netz? Waren die nicht angeblich von Dias oder selbst gemacht?

Es kam wie es kommen musste und ein Gerichtstermin stand an. Der Gegneranwalt legte eine Beweisliste vor. So sollte das Handy präsentiert werden, mit dem das Foto - mein Foto - gemacht wurde und eine Zeugin sollte aussagen, sowohl dass er in Asbach war, als auch dass er vor längerer Zeit mein "Dia" gekauft hatte. Das angebliche Dia sollte auch vorgelegt werden. Das Gericht lud die beiden Anwälte und - auf besondere Anordnung - Herrn K. persönlich ein.

Nun folgt der wirklich spannende Teil, bei der Verhandlung kam es nämlich zu einer äußerst kuriosen Situation. Zunächst wurde tatsächlich ein Diapositiv vorgelegt, welches mein Motiv zeigt. Nun war der Richter aber der Meinung, dass das Dia entweder meinen Namensaufdruck hat (und damit das Motiv von mir ist), oder nicht die Vorlage für das Heft war. Es hatte also keinerlei Belang für die Sache. Als man nicht so recht voran kam, blätterte der Richter im "Brexposé" ein paar Seiten weiter und fragte die Gegenseite, warum unter einem Foto "Mai 1971" steht, obwohl die gezeigte Dampflok Anfang '71 stillgelegt wurde. Es schien, als habe er recherchiert. Trotzdem folgte wieder nur Herausreden. Das Bild stamme angeblich aus der Sammlung Jakubowski. Nun (und da wäre ich gern dabei gewesen) zog der Richter einen Briefumschlag unter dem Tisch hervor und legte die Originale der Dampflok-Fotos auf den Tisch.
Er selbst hatte sie damals aufgenommen.

Die Gesichter der Anwesenden hätte ich gerne gesehen!

Es endete dann mit einer Anerkennung meiner Urheberschaft und die volle Summe wurde zur Zahlung ausgesetzt, plus Anwalts- und Gerichtskosten. Möglich wäre auch ein Nachspiel für den Prozessbetrug (Falschaussagen und Fälschung des Dias), aber damit habe ich nichts mehr zu tun.

Abschließend bleibt Verwunderung, warum man nicht vor dem Druck als Verein nachgefragt hat (und die Bilder wohl so bekommen hätte - siehe Museum Asbach) und warum man auf meine Forderung nicht mit Freundlichkeit und einer Entschuldigung geantwortet hat (und vermutlich mit einem Bruchteil der Endsumme eine Einigung erzielt worden wäre).
Die Frage, wie ein Mediendesigner (!) zu solch abstrusen Ansichten des Urheberrechts kommt und die Frage, welcher Anwalt sich darauf einlässt, so eine Sache zu verteidigen, werden wohl ungeklärt bleiben.

Und zuletzt noch ein Hinweis: Ich bin kein Unmensch, auch wenn eine erfolgte Klage das leicht impliziert. Wer die Briefe liest, dem vergeht das Mitgefühl, denn auf der Gegenseite scheint keines vorhanden. Es ging mir weder um meine Bereicherung, noch um die (letztendlich doch immense) Schädigung des anderen - es gab keine Unterlassungsklage und kein Vorgehen gegen das Abziehen meines Fotos als Dia (für den Privatgebrauch wohl erlaubt, aber nicht als Beweismittel). Es geht um das Prinzip, um etwas, was sich nicht gehört. Nachdem die Sache rollte, konnte ich auch die darauf folgenden Aussagen des Herrn so nicht hinnehmen. Ich weiß, dass manche der Meinung sind, so ein Bilderdiebstahl sei der Beachtung nicht wert und eines Vorgehens schon gar nicht, aber in diesem Fall hoffe ich, meine Entscheidung trifft auf Verständnis.

Christian Zell, 29.01.15